17
Okt
2021

priviligierte weiße frau in der krebsstation

faules obst das herumliegt
kaum etwas im abfallkorb
ein knurrender schrei

das fenster der anderen
vergessen
die anderen
das sind die
die draußen bleiben müssen
die grade strecken
der minutenklang

herr doktor es gibt für alles eine einsamkeit
nicht wahr?

wir reden und reden und hören nicht
mehr auf
aber dann hören wir doch auf und reden
doch weiter
selbst wenn es still wird und alles
nach eroberung schmeckt

sich gehen lassen
verlassen
einen moment betrachtet sich irgendwer
der du einmal warst im spiegel

diese nähe war immer da
dieser spiegel
das verwöhnaroma
das alles sticht und brennt sich in dich hinein
du privilegierte weisse frau

stell dir vor deine angst wäre abwesend
der tod blieb nah
aber er schwieg
er flüstert dir nichts ins ohr
es ist nicht das zittern dass dich begräbt
es ist das halten

du möchtest halten
anhalten
du willst nicht ewig sein
es muss schlimmeres geben
als den tod
es gibt diese die dir sagen
was du zu empfinden hast und zu empfinden hast
du viel

du erkennst die nähe der schuld
du frisst sie nicht mehr in dich hinein
sie vergessen dass sie an jeden krebstoten denken könnten
ihn halten damit
von der nähe dort kann man sich retten
sich retten weil nähe immer nach wärme schmeckt
wenns wirklich nähe ist und kein aufdrängen und so
beginnt alles
noch einmal von vorne und endet hier
an dieser stelle

Elke erzählt

wir betreten dieses zimmer
nur ein bett und ein tisch
zwei stühle, eine vase an der zimmerdecke
stehen oder liegen da

in einer ecke liegt,
als wäre sie wegen einer strafe da
eine mütze
unter der mütze liegen zwei dosen bier
aber davon wissen wir nichts

wir kennen uns nicht
aber wir tragen dieselben shirts
ich öffne das fenster
er sagt nicht
es ist zu kühl, aber ich merke dass er es gleich sagen wird

es ist zu kühl, sagt er
ich lache nicht
hätte ich das tun sollen?

er war keine wucht
er war auch nicht sperrig
wie er mich fand?
keine ahnung, er war wie so viele
zornig auf die frauen,
selbst in einer fiktion in der er mich nicht
ficken durfte war er zornig

ich stellte mir vor, wie er seinen soldatenhelm
auspackt und aus dem fenster schaut
es wird schneien, irgendwann, höre ich ihm sagen
seine stimme
wie mochte sie klingen, klang sie wie diese
telefonsperren klingen oder war es die abwesenheit
die in seiner stimme schmorrte,
irgendetwas stimmt nicht mit uns, dachte ich

warum lachst du schatz, fragte er

Manifest

pappeln aus kleinholz
zwei burschen vor dem offenen fenster
geliebte tanja rufen sie
wir müssen nach zweibrücken

was issen da, fragt sie die
der leichte ton einer frau die einen modischen hut
im traum verschenkt hatte
verschenkt an den drahtmenschen
der sie so entsetzlich ansah

wie oft muss ich dir sagen, ruft der eine
bursche dem anderen zu
das wir gewiss nicht
nach zweibrücken
was sollten wir dort

es hängt uns die reife an, denkt er
wer?
na der
der neben tanja liegt und sich selbst
ausfragt

stelzen im keller
die verstauben
ein unendliches leid der dinge

vergiss mich nicht ruft der pater
die burschen gähnen
die tanja stolpert beinah über seine fesseln
seine augen sind brüllende gläser
sie schaut die beiden an
jeder halbwegs vernünftige mensch
würde das ei nicht schälen
von dem sie träumte
ein beinah ertrunkener hielt es in der hand
ich hab hunger sagte der
seine hände waren von purzelbäumen ganz blass

als sie erwachte war es mundstill
irgendwo fand eine poetryslamlesung statt
ist euch schon mal aufgefallen
das alle auf diesen deutschen poetryslams gleich sprechen

sie bewegen die hände
sie kreisen mit ihnen die luft ab und immer habe ich angst
sie finden nicht mehr zurück

Für I

dämmerung
was ist dämmerung
erklär es mir nicht
sag es mir
vergrab es mit mir
was ist suche
suche ist einfach
versteh es nicht
geh mit ihm durch
die strassen
treff dich mit seinen augen
schau dich durch ihn an
das ist nicht zu verstehen
dass ich das vermisse

Schuld und Sühne

beil
mann
zwei frauen
zwei stühle
ein polizeibeamter
nachtflug
zwei morde
ein gespräch
ein totes pferd
ein toter mensch
die nacht
nachtflug
gesetze
er über die brücke
die brücke gespannt
was ist erlebnis
unser aller verdammnis
wie weit
wie weit ein vogel reicht
im traum
im traum
kommen alle nach hause
logo

Der Trog des Tages

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Elke erzählt
er sah durch mich hindurch er lachte sich die augen...
Der Wasserhahn - 27. Jan, 03:53
wieder
Es gibt viele Möglichkeiten, die richtige Antwort zu...
Der Wasserhahn - 26. Jan, 21:52
was los
Es gibt viele Möglichkeiten, die richtige Antwort zu...
Der Wasserhahn - 26. Jan, 21:42
Rialo
Es gibt viele Möglichkeiten, die perfekte Lösung zu...
Der Wasserhahn - 26. Jan, 21:38
was die unken
Heute gab es dunkles Brot im Schloss Mung. K. sprach...
Der Wasserhahn - 26. Jan, 21:32

Links

Zufallsbild

Suche

 

Status

Online seit 3876 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Jan, 03:56

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren